Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 4 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Jossi wurde aus ihrer kleinen Träumerei gerissen, die bei der Untreue ihres Gattens begann und auf wundersame Weise bei den Sternen und der qualifizierten esoterischen Lebensberatung von www.mein-kartenlegen.de endete. Es war schon fast halb vier: ihr wöchentlicher „Jour“ sollte beginnen, und sie war noch nicht fertig. Dieser „Jour“ war ein Treffen einiger Damen aus der Villen-Nachbarschaft, die sich wöchentlich montags in der Konditorei Stern zusammenfanden. Die Konditorei Stern war eine traumhafte Konditorei in der Altstadt, für die der Begriff „Café“ ein bisschen zu gehoben und zu neumodisch wirkt.

Es war ein Bäckerbetrieb, der seit Generationen am selben Fleck – und auch im selben Haus bestand. Als das Haus verwüstet war, im letzten Weltkrieg, hat man es von den Grundmauern her aufgebaut, und die Konditorei Stern war wieder da. „Auferstanden aus Ruinen“, dachte Jossi sarkastisch, indem sie die alte Hymne der DDR summte, die auch zu mancher Anti-Aging-Kur passte. Honecker stammte ursprünglich aus dem Saarland. Die Welt ist klein. Ruinen, wieder aufgebaut.

Versunkene Träume Kapitel 4 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Im Café, unter den Pfeilern des alten Gebäudes, unter einer Decke, die mit alten blauen Fliesen aus dem bekannten Mosaikwerk in der Nähe gefertigt war, standen, seit sie sich erinnern konnte, vier kleine braunlackierte Kaffeehaustische und genau zwölf Stühle, drei an jedem Tisch. Wenn der Damen-Club zusammentraf und seinen Treff abhielt, oder besser seinen „Jour“, wie man im französischsprachigen Saarland gern sagte, mussten noch Stühle von den umliegenden Tischen ergänzt werden.

Die Damen, das waren: Lotti Verhoegen, die Gattin eines Sporttextilfabrikanten aus den Niederlanden, der sich im Saarland zur Ruhe gesetzt hatte, Senta Marsch-Mettler, eine Selfmade-Woman, die an der Goldenen Bremm irgendein florierendes business in der IT-Branche hatte, und Strada Sant´Angelo, die Gattin des italienischen Immobilienmaklers Gianluca Sant`Angelo, und natürlich sie, Josefine Dubouchard, genannt Jossi.


Jossi war anfänglich überaus stolz darauf gewesen, in diesen Damen-Club aufgenommen worden zu sein. Es waren alles erfolgreiche, gut situierte Frauen – echte Ladies, die etwas aus ihrem Leben gemacht hatten. Anders als ihre Eltern und die Frauen, die Jossis Leben in seiner ersten Hälfte geprägt hatten, verhärmte Arbeiterinnen mit versunkenen Träumen. Die Erinnerung an ihre Treffen im inoffiziellen Club, die ersten „Jours“, war glänzend. Die romantische Atmosphäre des kleines Cafés, das nach wie vor eher eine traditionelle Konditorei war – und für Senta nicht fashionable genug – gefiel Jossis Geschmack ganz außerordentlich.

Und der Kirschstreuselkuchen war einfach fabelhaft. Frau Stern, die der Konditorei in dritter Generation vorstand, versuchte sich seit Jahren auch auf dem Gebiet der Pralinen und Schoko-Trüffel. Sie war eine aparte Erscheinung, nicht mehr jung, aber sehr gepflegt, und in ihrem früher rabenschwarzen Haar war eine Silbersträhne, ähnlich wie die Marzipanstreifen, die sie auf ihre Pralinen setzte.


Jossi liebte diesen Ort, die urige Frau Stern und überhaupt das alles. Hier gab es noch echten frischgebrühten Kaffee und sogar türkischen Mokka, nicht diese trendy „Decaf“-„Dechoc“-„Desonstwas“ Mischungen aus den amerikanischen Coffee Shops, die gerade überall in der Republik so angesagt waren und die Jossi nie hatte leiden können. Sie war ein spiritueller, emotionaler Mensch, der alte Orte, echte Menschen und gefühlsbetonte Gespräche unter Frauen über Beziehungen, Gott und die Welt liebte.

Doch in letzter Zeit hatten die Gespräche im Café Stern einen unangenehmen Ton bekommen. Jossi wusste nicht, wie und wann das angefangen hatte – ähnlich, wie es ihr entfallen war, wann es eigentlich angefangen hatte, in ihrer Ehe zu kriseln. Strada fehlte häufig, Senta war schlecht gelaunt. Seit einigen Monaten war die Stimmung unter den Damen recht gereizt, wenn sie sich montags trafen, man kann zwar nicht sagen direkt feindselig, aber kühl, wie eine unterbewusste Ahnung von etwas Zukünftigem, eine Voraussicht. Etwas war geschehen...

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